Edition Bauwirtschaft

von Prof. Dr. Bernd Witthaus

Verkehrswegebau

Obwohl natürlich Verkehrswege schon Jahrtausende lang gebaut werden, wurden Schiene, Straße und Wasser nach dem zweiten Weltkrieg in den Bauunternehmen in unterschiedlichen Sparten organisiert. Gemeinhin sprach man vom Straßenbau, vom küstenländischen und binnenländischen Wasserbau sowie vom Gleis- oder Eisenbahnoberbau, alles Sparten, die auch im Rahmen dieser Edition einzeln dargestellt worden sind. Im Rahmen der strukturellen Entwicklungen im Markt und in den Bauunternehmen selbst hat sich in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Verkehrswegebau gebildet: Markt Zwei Entwicklungen haben im Markt, der im Wesentlichen aus den verschiedenen, öffentlichen oder quasi-öffentlichen Auftraggebern besteht, zur "Über-Sparte" Verkehrswegebau geführt: die Entwicklung von vorgegebenen Einzelgewerke- bzw. Einzelleistungsausschreibungen zur funktionalen Ausschreibung sowie die zum Schlüsselfertigbau analoge Weiterentwicklung zu Generalübernehmern und/oder Generalunternehmern eines ganzheitlichen Verkehrswegebaues. Größter Einzel - Auftraggeber ist die Deutsche Bahn AG mit ihren jeweils ausschreibenden Tochtergesellschaften. Wenn man heute den Verkehrswege-bau in das Leistungsspektrum der Bauwirtschaft einzuordnen versucht, so wird kaum an Wasserstraßen gedacht, da die diesbezüglichen Leistungsfelder, nach wie vor, durch spezialisierte Unternehmen gekennzeichnet sind (siehe auch Sparte Wasserbau). Beim Bau von Straßen über Land dagegen spielt auch die Zusammenfassung verschiedener Sparten eines Unternehmens oder mehrerer Unternehmen in einer Arbeitsgemeinschaft eine größere Rolle. Oft kann eine daraus erwachsene GÜ- oder GU - Funktion im eigenen Hause als Mehrfachnutzen generiert werden, indem z.B. ein Großunternehmen eigene Sparten und Tochtergesellschaften zu einer Bietergemeinschaft oder einem Gesamtangebot und - später - Gesamtauftragnehmer zusammenfasst. Andererseits kann sich auch eine Arbeitsgemeinschaft aus mittelständischen "Kompetenzen" zusammenfinden, denn zur Zeit kann jede erforderliche Sparte des landgebundenen Verkehrswegebaues noch durch ein mittelständisches Unternehmen bestritten werden, wenn auch in der Vergangenheit die Zahl dieser Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen drastisch geschrumpft ist. Als größte Auftraggeber im Segment des Verkehrswegebaues über Land (Autobahnen, Fernstraßen etc.) treten die Landesstraßenbauämter mit ihren Fachabteilungen auf. Unternehmen Immer wieder haben in den Bauunternehmen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte Umstrukturierungen stattgefunden. Steigende Umsätze und zusätzliche Präsenzen in Gebieten, in welchen Unternehmen nicht vertreten waren, haben zum Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Ein in Niederlassungen differenziertes Großunternehmen führte z.B. den Brückenbau, den Kanalbau und den Straßenbau als Sparten nebeneinander, mit allen Konsequenzen in der Akquisition und der Abwicklung des Bauvolumens.


Mit wachsender Grösse und Bedeutung der Sparten wurden ehemalige Sparten oft in Zweigniederlassungen umstrukturiert, insbesondere in konjunkturell guten Zeiten. Inzwischen ist jedoch selbst das Strohfeuer der kurzfristigen Infrastrukturverbesserung in den neuen Bundesländern, spätestens seit 1994, verglüht, und die Tendenz läuft im Jahre 2002 bei schlechter Konjunktur und einem extremen Niedrigpreisniveau in die umgekehrte Richtung des Abbaues von Kapazitäten, bringt eine Fusion nach der anderen hervor und zwingt zu Konzentraionen auf Kernkompetenzen und die Erweiterung des Leistungsangebotes, den Forderungen der öffentlichen Auftraggeber nach einem einzigen Generalübernehmer mit Übernahme der Planung und der Gesamthaftung entsprechend! Sparten des Verkehrswegebaues. Kommt man in der Betrachtung des Verkehrswegebaues zurück auf die Auftragnehmerfunktion des Generalüber- oder Unternehmers, so stellt man bald fest, dass es kein Einzelunternehmen (auch keinen Baukonzern) gibt, der alle Facetten des Verkehrswegebaues abdecken könnte. Prinzipiell könnten jedoch alle Einzelunternehmen, die bei früheren Einzelgewerkevergaben, z.B. durch die Deutsche Bahn AG, berücksichtigt wurden, heute als GÜ oder GU auftreten, da diese Funktion in erster Linie Management-, Planungs- und Haftungsprobleme mit sich bringt. Natürlich gehört auch die finanzielle Potenz, die Bonität, zu den entscheidenden Faktoren für die Auftragsvergabe durch den Auftraggeber, der das Zutrauen zu seinem GU oder GÜ haben muß, dass dieser die Baumaßnahme auch ohne Probleme abwickeln kann und wird, denn neben der gesunden finanziellen Potenz wird im GU- / GÜ- Vertrag manches verlangt (z.B. Bürgschaften), was ein einzelnes mittelständisches Unternehmen, das sich früher vielleicht mit seinem Leistungsangebot nur in einer kleinen Sparte bewegt hat, nur schwer oder mit größten Anstrengungen erfüllen kann. Darüber hinaus bieten einige Mehrspartenunternehmen, die aufgrund ihrer technischen Kompetenz und wirtschaftlicher Bauweisen schon lange in diesem Marktsegment erfolgreich gearbeitet haben, ein umfangreicheres "Leistungspaket" an als die Unternehmen, welche nur mit einer kleinen Sparte mit geringem Leistungsvolumen zum Gesamtauftragsvolumen beitragen können. Zu den erfolgreichen Mehrspartenunternehmen mit hohem technischen, wirtschaftlichen Know-how und korrespondierender Managementkompetenz gehört auch die Heinrich Walter Bau GmbH, Borken, die sich u.a. im Autobahnbau und bei den Großprojekten der deutschen Bahn AG einen Namen gemacht hat.
Der Verkehrswegebau umfasst folgende Einzelsparten (sofern es sich um die Infrastruktur "an Land" handelt), die aufgrund ihres Anteils am Gesamtauftrag auch eine umfangreichere Bedeutung besitzen: Brückenbau, Erdbau, Straßenbau, Kanalbau und Gleisbau. Nicht erfasst sind in dieser Aufzählung kleinere Sparten, die im Verhältnis zum Gesamtauftragsvolumen lediglich einen kleineren Leistungsanteil haben.

 

Die drei "M's" der Verkehrswegebau-Baustelle

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